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Fatale Fehleinschätzung

Einer noch. Vasili hat einen schönen Kommentar hinterlassen:

was ich in dieser angelegenheit erkenne, ist eine fatale fehleinschätzung seitens der reemtsma’schen stiftung. sie verkennt die vorteile einer solchen verbreitung “ihres” werkes. schliesslich besteht eine solide chance, auf diesem wege auch personen für adorno zu interessieren, die sonst nicht hätten angesprochen werden können. wenn nur eine dieser personen in den laden (oder auch nur in die bibliothek) geht, um sich mehr von adorno zu besorgen, entsteht ein zusätzlicher nutzen. wer ohnehin vorhat, adornos werk zu lesen, wird weder auf den erwerb einer textausgabe verzichten wollen noch sinnvollerweise darauf verzichten können.

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Zurechtrücken

Ich will mit diesem Beitrag niemandem Unrecht tun, deshalb zur Vollständigkeit:
Unterstützt wird die Spendenaktion nicht nur von Praschl, sondern auch von Ralph. Kritisch beäugt wird sie dagegen auch von frapp.antville. Desweiteren haben Dienstraum, Eier, Erbsen, Schleim & Zeug, etc. pp. und Jump Cut darüber berichtet. (Weitere Links können gerne in den Kommentaren hinterlassen werden.)

Wie ich schon in den Kommentaren schrieb, habe ich auch etwas gegen das Urheberrecht, das Stiftungen oder andere Erben von Autoren besitzen, die schon lange tot sind. Es ist ein Unding, dass diese Menschen Geld mit den geistigen Schöpfungen anderer machen (wollen).

Ich möchte das bitte noch einmal klarstellen, da ich den Eindruck habe, einige haben mich nicht verstanden: Der ursprüngliche Grund für die Schadensersatzklage gegen textz.com bzw. dessen Betreiber, nämlich die Urheberrechtsverletzung, ist im Grunde mies. Nur kann man sich nicht erfolgreich gegen Gesetze auflehnen, indem man sie bewusst bricht. Aber darum geht es nicht einmal. Mir geht es um die Dreistigkeit von Lütgert, der sich eineinhalb Jahre lang nicht meldet und dann überrascht ist, dass die Anwälte die Geduld verlieren. Geradezu unverschämt ist dann noch die Aufforderung, andere für seine Dummheit geradestehen zu lassen und Geld zu spenden, damit er die Folgen seines Handelns nicht ausbaden muss.

Ich weiß nicht, ob man sich mit der “Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur” im Vorfeld hätte einigen können. Einen Versuch wäre es wert gewesen. Lütgert zeigt in der Sache einen stahlharten Idealismus, der auf den Falschen zielt. Was bringt es, dieser Stiftung geld zu “spenden”? Dadurch wird ihre Vorgehensweise nicht anders werden, im Gegenteil.

Es gibt Wege, die sind richtiger. Praschl zeigt eine auf. Durch viele gesetzlich erlaubt Zitate, die in Reihenfolge verlinkt werden, lässt sich früher oder später auch ein ganzer Adorno digitalisieren. Ohne Abmahnungen, Schadensersatzforderungen und der Möglichkeit, Geld aus dem Fenster zu werfen. Genau so muss das Internet funktionieren, genau aus dieser Idee trafen sich Anfang der Neunziger die ersten WWW-Bewohner. Hypertext, Durchbrechung von althergebrachten Geboten und Gesetzen, die der freien Meinungsentfaltung und Wissensbildung im Weg stehen. So kann man etwas bewegen.

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Erst klauen, dann betteln

Der Betreiber der Internetseite textz.com, das “& in copy & paste”, wurde verklagt, weil er zwei Adorno-Texte ohne Erlaubnis veröffentlichte. Sebastian Lütgert kam der Aufforderung einer Unterlassung seit August 2002 nicht nach und wundert sich jetzt über das letzte Mittel, an ihn heranzukommen: einen Haftbefehl. Konkret geht es um 2.331,32 Euro, die er als Schadensersatz an die Rechteinhaber von Adornos Werken, die “Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur”, geleitet von Jan Philipp Reemtsma, zahlen soll. Sebastian Lütgert hat einen Schriftwechsel mit deren Anwälten veröffentlicht, die für seine ausufernden Erklärungsversuche wenig Sinn zeigten, und ihn lapidar darauf hinwiesen, dass er lange genug Zeit hatte, sich zur Sachlage zu äußern.

Es trifft zu, daß wir für unsere Mandantin den Erlaß eines Haftbefehls gegen Sie beantragt haben. Dies ist notwendig geworden, weil Sie es, obwohl Ihnen die erste einstweilige Verfügung bereits Ende August 2002 zugestellt worden war, trotz zahlreicher Zahlungsaufforderungen seit über einem Jahr nicht für nötig befunden haben, sich zu Ihren rechtswidrigen Handlungen und den dadurch verursachten Schaden zu erklären.

Desweiteren fordern die Anwälte eine Erklärung über Lütgerts Vermögensverhältnisse:

Der Antrag auf Erlaß eines Haftbefehls stellt das letzte Mittel des Gläubigers dar, die Vermögensverhältnisse des Schuldners zu ermitteln. Unser Vorgehen dient mit anderen Worten einzig dem Zweck, Sie endlich dazu zu zwingen, sich über Ihre Einkommenssituation und Ihr Vermögen zu erklären.

Der Beschuldigte erklärt dazu in seiner Antwortmail:

Meine Einkommenssituation ist schnell erklärt: ich beziehe weder ein festes Einkommen oder staatliche Beihilfen, noch verfüge ich über Vermögen oder Besitz, aus dem ich die Forderungen Ihrer Mandantin begleichen könnte. Ich bewerbe mich jedoch zur Zeit um eine Reihe von Stipendien, Spenden und Schenkungen, die dem Zweck dienen sollen, den von Ihrer Mandantin geforderten Betrag aufzubringen, und ich bin zuversichtlich, dass dies in absehbarer Zeit möglich sein wird.

Ab hier wird der Sachverhalt unverschämt. Da wird nicht nur wissentlich gegen geltendes Recht verstoßen. Jetzt sollen andere auch noch für den Schaden aufkommen. Praschl ist sofort auf den Zug aufgesprungen und verlinkt eilig mit dem Befehl: Donate! Spendet für einen edlen Zweck.

Nein, so geht das nicht. Völlig egal, ob die Idee hinter textz.com gut oder schlecht ist. In einer Gesellschaft gibt es nicht ohne Grund Gesetze, an die sich alle zu halten haben. Wenn du dich gegen eine Vorschrift wehren willst, gibt es dafür wesentlich bessere Möglichkeiten, als dagegen zu verstoßen. Gibt es tatsächlich keine anderen Wege als das bewusste Verstoßen gegen Gesetze mehr, dann sollte man das auch kundtun. Man muss damit offensiv an die öffentlichkeit gehen und alle aufzeigen, wie sinnlos ebendieses Gesetz ist. Wenn man aber so dumm ist, aus dumpfen Idealismus eine Sache anzugehen und dann nicht dafür geradestehen will, dann muss man verdammt nochmal auch die Folgen tragen. Es ist eine riesige Unverschämtheit, die Folgen seines Handelns auf andere Schultern auslagern zu wollen. Auf diese Weise wird niemals etwas geändert werden, auf diese Weise werden die Fronten nur noch härter. Ich bezweifle, dass Sebastian Lütgert jemals den Rechteinhaber angeschrieben und um Erlaubnis zur Veröffentlichung dieser Texte gebeten hat. Vielleicht hätte die Stiftung die Initiative im Sinne Adornos bejat. Man weiß es nicht.

Weiterführender Link: Meldung im Heise Newsticker.

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Grafikklau

Was passieren kann, wenn man Grafiken klaut, zeigt uns Achim, seines Zeichens treuer Leser des JC-Logs. Durch höheren Traffic aufmerksam geworden, stellte er die Einbindung einer seiner Grafiken mit direkten Verweis auf seinen Webspace auf einer fremden Seite fest. Was macht der Kerl? Er speichert unter dem gleichen Dateinamen eine viel zu große Grafik, die unmissverständlich klar macht, was der Täter falsch machte. Denn wenn man schon Grafiken klaut, sollte man sie wenigstens auf dem eigenen Webspace abspeichern. Link zur Täterseite mit neuer Grafik

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Entdeckt

Belle de Jour als Original. Diary of a London call girl

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