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Frauenquote

Bei den derzeitigen Diskussionen über Frauenquoten musste ich immer wieder leicht lachen. Das hatte nichts damit zu tun, dass ich die eine oder andere Argumentationsseite lächerlich finde, sondern dass ich in einer Branche arbeite, in der traditionell sowieso und in den letzten Jahren immer mehr Frauen beschäftigt sind. Der Umgang mit jungen Frauen, die schwanger werden, in Elternzeit gehen, danach Teilzeit und/oder hauptsächlich von zuhause aus arbeiten, ist mir sehr vertraut und völlig normal für mich; und ich kann nicht so recht nachvollziehen, warum das für ein Unternehmen ein Problem darstellen könnte.

Die Branche, in der ich arbeite, heißt Marktforschung und hat auf den ersten Blick nicht viel mit den typischen, weiblich geprägten Branchen zu tun. Marktforscher* rekrutieren sich aber oft aus Psychologen* und Soziologen*, die schon an den Universtitäten einen stark ausgeprägten weiblichen Anteil umfassen.

In dem Unternehmen, das seit einigen Tagen mein Arbeitgeber ist, arbeiten 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer. In meinem Team ist das Verhältnis exakt gleich, es besteht aus drei Frauen und zwei Männern, von denen einer ich bin. Die Leitung des Teams obliegt einer Frau.

Das war’s dann aber auch schon. Denn als ich, wie oben geschrieben, erst einmal lachte, dann passierte das, weil ich nur meinen direkten beruflichen Alltag vor Augen hatte. Ich arbeite schon seit über einem Jahrzehnt sehr viel mit Frauen zusammen, im Team, als Kolleginnen und direkte Vorgesetzte. Wenn ich aber darüber nachdenke, wie sich die höheren Hierarchiestufen geschlechtlich aufteilen, werde ich nachdenklich. Tatsächlich hat auch mein derzeitiger Arbeitgeber, bei dem auf zwei Männer drei Frauen kommen, einen derzeit dreiköpfigen, rein männlichen Vorstand. Vom Aufsichtsrat brauche ich erst gar nicht zu sprechen, oder? Auch alle meine bisherigen Arbeitgeber waren auf der höchsten Managementebene stets ausschließlich männlich besetzt.

Vielleicht es daher tatsächlich Zeit, Unternehmen zu ihrem Glück zu zwingen. Ganz schlüssig bin ich noch nicht, ob das der Qualität beiträgt, wenn Personen ein Unternehmen leiten, nur weil sie zur richtigen Zeit das richtige Geschlecht hatten. Aber vielleicht muss man das einfach mal ausprobieren.

BTW: Die Beschäftigtensituation bei meinem Arbeitgeber – wie gesagt, 60 Prozent Frauen, 40 Prozent Männer – ergibt die paradoxe Situation, dass im siebenköpfigen Betriebsrat vier Männer sitzen. Das Betriebsverfassungsgesetz schreibt nämlich vor, dass das Geschlecht in der Minderheit mindestens zum repräsentativen Anteil im Betriebsrat vertreten ist.

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* Geschlechtsneutrale Schreibweise beabsichtigt, aber mangels sprachlicher Möglichkeiten nicht durchgeführt.

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